Was ist eigentlich die Reggio- Pädagogik?


Mein Herz schlägt reggianisch.

Im Laufe meiner Zeit als Erzieherin und Kita- Leitung dürft ich die Reggio- Pädagogik kennen- und lieben lernen. Die Reggio- Pädagogik übt eine große Faszination aus und oft werde ich gefragt: "Was genau ist die Reggio- Pädagogik eigentlich?" Auch wenn es verrückt klingt, aber diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten.


Die Reggio- Pädagogik versteht sich als „ewige Baustelle“ die sich ständig im Wandel und Entwicklung befindet. Loris Malaguzzi, Wegbegleiter und Koordinator der Kindereinrichtungen in Reggio Emilia, hat bewusst keine konkreten Handlungsanweisungen formuliert und hinterlassen. Ihm war es wichtig, wenige Grundpfeiler und Überzeugungen der reggianischen Idee zu beschreiben, die Gestaltung jedoch immer offen zu halten.

Oft sind Teams die sich mit diesem Ansatz beschäftigen zunächst irritiert wenn sie ein „ So geht das“ erwarten. Mit der Reggio- Pädagogik werden zunächst die fantastischen Räume und die Atelierarbeit verbunden. Die wahre Seite ist jedoch zunächst verborgen, denn es geht um eine tiefliegende pädagogische Haltung. Pädagogische Fachkräfte in der Reggio-Pädagogik müssen immer bereit sein: sich in Frage zu stellen, ständig im Dialog mit Kindern, Eltern, Kooperationspartnern und Kolleg*innen zu sein, sich selbst zurückzunehmen, engagiert und kritisch sein... Für mich ist die Reggio- Pädagogik ein nachhaltiger Ansatz, denn er ist ausgerichtet auf ein Mehr an Humanität, Demokratie, Solidarität und Frieden. Auch Team- und Elternarbeit wird hier nachhaltig gestärkt. Denn die Reggio -Pädagogik versteht sich selbst als Pädagogik des Werdens und des Zuhörens und ist Kooperationen und Kommunikation ausgelegt. Diese, auf den ersten Blick von außen, erst einmal unsichtbare Seite fasziniert mich so an dieser Art von Pädagogik.


Was haben denn ein Panzer und die Reggio-Pädagogik miteinander zu tun?

Die Frauen in Reggio Emilia fanden nach dem Krieg einen Panzer auf dem Feld. Sie entscheiden gemeinsam, die Einzelteile zu verkaufen und den Erlös, zum Wohl der Gemeinschaft, einzusetzen. Das Geld wurde zum Aufbau der ersten Kinderbetreuung verwendet. Nach den Schrecken des Krieges, war für die Reggianer klar, dass so etwas Schreckliches nie wieder geschehen dürfe und richteten ihr Streben darauf aus. Diese Vision ist Triebkraft dieses pädagogischen Ansatzes. Aus diesem Grund, und wegen ihrer Grundsätze, die sich daraus entwickelt haben, schätze ich die Reggio-Pädagogik sehr. Für mich ein nachhaltiger Ansatz, denn er strebt danach, durch Forschung und Dialog, zukunftsorientiert die Welt zu verbessern. Wer sich also mit dem Ansatz der Reggio-Pädagogik beschäftigen möchte, sollte sich im Team zunächst über die eigenen Überzeugungen und Visionen austauschen? Was möchten wir erreichen? Was möchten wir Kindern für ihr hier und jetzt und ihre Zukunft mitgeben? Welche Visionen und Missionen verfolgt Ihr?

In reggianischen Einrichtungen ist alles auf Kooperation und Kommunikation ausgerichtet. Sogar die Räume werden so eingerichtet, dass sie dazu anregen. Natürlich spielt die Rolle der pädagogischen Fachkraft eine zentrale Rolle: die ist (Weg-) Begleiter*in, Forscher*in und Zeug*in.

Die Rolle ist auf der einen Seite aktiv, denn sie forscht und fragt gemeinsam mit den Kindern. Auf der anderen Seite ist sie zurückhaltend und beobachtet, dokumentiert und gibt ausschließlich erweiternde Impulse. Hier grenzt sich die reggianische Erzieher*in sehr von dem eher anleitenden Rollenverständnis klassischer Ansätze ab. Genau hier liegt der Zauber dieses Ansatzes. Es braucht Neugier auf das was Kinder tun und ein absolutes Vertrauen in die Fähigkeiten der Kinder. Im Vergleich mit den Bildungsplänen in Deutschland erkenne ich viele Parallelen zur Reggio-Pädagogik. Wie geht es Dir, erkennst Du Dich mit Deiner Rolle als Erzieher*in wieder? Welcher Chancen aber auch Herausforderungen stecken für Dich in dieser Rolle?

Alle Kitas kennen die UN Kinderrechtskonvention und Leben Partizipation. In der Reggio-Pädagogik sind die Rechte aller Beteiligten bereits in den Grundsätzen tief verankert.

Rechte der Kinder: hier zum Beispiel das Recht auf ihre individuelle Entwicklung. Rechte für Eltern: beinhalten zum Beispiel, die Beteiligung bei der pädagogischen Arbeit. Rechte von Erzieher*innen: beinhalten das Recht auf Mitgestaltung der Konzeption und auf Austausch und Fortbildungen.

Was in unserer Einrichtungen durch die Gesetzgebung oder die Bildungs- und erziehungspläne von außen in die Konzeptionen integriert wird, ist bei der Reggio-Pädagogik Grundstein und Herz. Darauf ist jede Struktur der reggianischen Einrichtungen ausgelegt. Ich hoffe der kurze Exkurs in die Reggio-Pädagogik war interessant für Euch. Ich freue mich über Euer Feedback. Wenn Ihr Fragen habt und / oder Euch etwas näher mit diesem Ansatz auseinandersetzen möchtet, meldet Euch gern bei mir.

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